Die Ursachen der psychosomatischen Reizblase

Erfahre endlich warum du unter ständigem Harndrang leidest

Die Ursachen der psychosomatischen Reizblase

Es lag auf der Hand, dass ich nicht körperlich krank war. Man muss allerdings dazu sagen, dass meine Mama niedergelassene Frauenärztin ist. Per Ultraschall hatte auch sie meine Blase angeschaut und konnte nichts Auffälliges feststellen. Was aber noch viel wichtiger war – sie kannte meine Geschichte! Es fing an, als ich mit Mitte 20 nach dem Studium zurück in die Heimat kam. Ich war in einer Partnerschaft, die nicht toll war. Einengend. Klein machend. Dennoch trennte ich mich nicht. Beruflich lief es fantastisch. Ich hatte mich gleich nach meinem Studium selbstständig gemacht. Und dann fing plötzlich mein Magen-Darm-Trakt an, verrückt zu spielen. Von Durchfällen, über Verstopfung, hin und her. Das war seltsam. Also ging ich natürlich zur Magen-Darm Spiegelung. Ich war kerngesund. Als ich dieses Ergebnis bekam, dachte sich mein Gehirn (wie ich heute weiß): „Na, dann muss ich ihr eben auf andere Weise klar machen, dass hier etwas falsch läuft.“ Schlagartig fing die Blase an. Das war der Beginn meiner Reizblase. Vom Reizdarm zur Reizblase so zusagen. Es war also sonnenklar, dass es nicht körperlich sein konnte. Meine Mama wusste das. Die Geschichte dahinter ließ nur einen Schluss zu: Es muss der Kopf sein.

Es gab einen Punkt, an dem ich es nicht mehr aus hielt. Ich fing einfach an zu weinen und bat meine Mama, mich in eine psychiatrische Klinik zu bringen. Ich habe ihr gesagt: „Sie sollen meinen Kopf auf schneiden und diesen Mist da rausholen! Die müssen es doch wissen! Ich kann doch nicht der einzige Mensch auf der Welt sein, der es hat, was auch immer das ist!“ Ich war verzweifelt. Meine Mama war verzweifelt. Aber sie sagte: „Lisa, die Seele einer Frau weint über die Blase. Keiner kennt dich so gut wie ich. Du musst nicht zum Psychiater.“ „Mh,“ dachte ich, „wenn ich nicht in eine Klinik gehe, dann muss ich mir das Wissen eben selbst aneignen, um erstens herauszufinden, was es ist und zweitens, um mich selbst therapieren zu können.“ Jahrelang begab ich mich auf die Suche. Ich studierte und studierte. Meine Suche fand endlich ihr Ende.


Ich habe mich also auf die Suche gemacht. Depression? Angst- und Panikstörung? Zwang? Sozialphobie? Schließlich habe ich die Antwort gefunden! Die Reizblase ist die häufigste sogenannte „Somatoforme autonome Funktionsstörung des Urogenitalsystems“ und ist gelistet im ICD-10 Katalog unter F45.34. Jetzt haben deine Beschwerden endlich einen Namen! In der internationalen WHO-Klassifikation ICD 10 werden Somatoforme Störungen wie folgt definiert: „Das Charakteristikum ist die wiederholte Darbietung körperlicher Symptome in Verbindung mit hartnäckigen Forderungen nach medizinischen Untersuchungen trotz wiederholter negativer Ergebnisse und Versicherungen der Ärzte, dass die Symptome nicht körperlich begründbar sind. Wenn somatische Störungen vorhanden sind, erklären sie nicht die Art und das Ausmaß der Symptome oder das Leiden und die innerliche Beteiligung des Patienten“


Laut Herrn Prof. Dr. Sökeland, ehemaliger Leiter der Urologischen Klinik des Klinikums Dortmund, erste eigenständige und somit traditionsreichste urologische Abteilung in Deutschland, sind diese Beschwerden sehr häufig: „In der Praxis des niedergelassenen Urologen sind funktionelle (somatoforme) Störungen sehr häufig. Bei Männern ist die Prostatodynie („chronische Prostatitis“), bei Frauen die „Reizblase“ das häufigste funktionelle Krankheitsbild. Psychosomatische Konzepte integrieren prädisponierende somatische Faktoren, Persönlichkeitsmerkmale und psychosoziale Faktoren. Die Letzteren können das Krankheitsbild auslösen und haben bei der Chronifizierung große Bedeutung. Beratung oder Psychoedukation durch den Arzt der Primärversorgung oder spezifische psychotherapeutische Interventionen durch den Fachpsychotherapeuten sind von großer Bedeutung für eine erfolgreiche Behandlung. (…) Patienten mit funktionellen beziehungsweise somatoformen Störungen im Urogenitalbereich werden häufig beim niedergelassenen Arzt oder Urologen behandelt, sodass die meisten Patienten nicht stationär aufgenommen werden. Epidemiologische Daten zu funktionellen Störungen oder somatoformen Störungen des urogenitalen Systems fehlen weitgehend. Nach Günthert haben 30 bis 50 Prozent der Patienten in der Sprechstunde des niedergelassenen Urologen eine psychosomatisch bedingte Erkrankung.“


Ein besonderes Merkmal dieser Störungen ist, dass du von einem Arzt zum anderen rennst, sprich ‚Ärztehopping’ betreibst, weil du wiederholt nach organischen Ursachen für deine Symptome suchst. Deine Verunsicherung steigert sich durch widersprüchliche Befunde und erfolglose Behandlungsversuche. Das Arzt-Patient-Verhältnis leidet, weil du zunehmend das Gefühl hast, nicht ernst genommen zu werden. Gleichzeitig erlebt der Arzt dich als kompliziert und wenig zugänglich.


Sogenannte Somatisierungsstörungen können entstehen, wenn du Konflikte verdrängst, sie also nicht bewusst wahrnimmst. Angenommen, ein Kind wird in der Schule gemobbt oder fühlt sich, warum auch immer, in der Schule unwohl. Was passiert? Das Kind steht am nächsten Morgen auf und sagt: „Mama, ich habe Bauchschmerzen. Ich kann nicht in die Schule gehen.“ Und die Bauchschmerzen sind wirklich da! Das Kind hat wirklich, richtig echte Bauchschmerzen! Aber nicht, weil es etwas am Bauch hat! Der Körper drückt die unbewussten Gefühle aus, weil das Kind nicht verbal ausdrücken kann, welche Konflikte in der Schule vorliegen, geschweige denn, an Lösungen zu denken. Es reagiert einfach unbewusst. So funktionieren wir!


Christian Morgenstern hat es so gesagt: „Der Körper ist der Übersetzer der Seele ins Sichtbare.“ Diese Verschmelzung von Körper und Seele heißt Psy chosomatik. Die Psyche ist die Seele. Soma ist der Körper. Sie bilden eine Einheit. Eine untrennbare Einheit. Nun stellt sich die Frage, warum gerade der Urogenitaltrakt einen so großen psychosomatischen Sprengstoff bietet? Weil hier gleich drei Funktionsebenen angesiedelt sind: die Ausscheidung, die Reproduktion und die Lust.


Du kennst auch viele Ausdrücke oder geläufige Redewendungen, wie z. B. sich vor Angst in die Hose machen, eine Konfirmandenblase haben, etwas im Urin haben, etwas geht dir an die Nieren, angepisst sein, der Harn tritt an die Stelle der Tränen, oder den Spruch, den mir meine Mama sagte: „Die Seele einer Frau weint über die Blase.“ Alle diese Redewendungen kommen nicht von ungefähr! Wenn wir in der Evolution ein paar Schritte zurückgehen, dann weißt du, dass wir Menschen auf Kampf oder Flucht programmiert sind. Fight or flight. Als der Säbelzahntiger vor uns stand, mussten wir sofort reagieren. Unser Körper bereitet sich dann auf Kampf oder Flucht vor. Die Blase reagiert bei Flucht. Deshalb hast du auch immer dieses Gefühl von Flucht, wenn dein Harndrang dich überfällt. Schnell weg hier! Damit du dich schneller vor dem Säbelzahntiger in Sicherheit bringen kannst, entleert sich – metaphorisch gesprochen – deine Blase, wie im Übrigen auch gerne der Darm, um mit weniger Gewicht schneller flüchten zu können. Deshalb reagieren auch alle Menschen in aufregenden und herausfordernden Situationen, wie z. B. vor einem Vorstellungsgespräch oder vor einer Prüfung mit Blasen- und/oder Darmentleerung.


„Leider wird in der ‚klassischen westlichen Medizin‘ das Konzept von ‚Mind-Body als Ganzes‘ noch immer oft belächelt. Zugleich ist aber bekannt, dass der Schmerz im Gehirn wahrgenommen wird, ‚without brain, no pain‘ (…) In der Gastroenterologie ist es allgemein bekannt, dass Angst und Ärger eine Wirkung auf die Verdauung haben.“, so Frau Prof. Dr. Doggweiler, Schweizer Fachärztin für Neurourologie.


Dieser Schalter sollte einfach nur unser Überleben sichern! Das heißt, dein Körper reagiert vollkommen richtig und gut. Er will dich ja nur schützen! Der liebe Gott, Mutter Natur, nenne es wie du möchtest, hat mehr mit dir vor! Denn du sollst überleben! Dein Fluchtmechanismus funktioniert höchst präzise und großartig! Zusammenfassend kann ich dir nun sagen, dass es Probleme oder Konflikte in deinem Kopf gibt, die bewältigt werden wollen. Weil du sie aber nicht löst, sondern flüchtest, reagiert dein Körper. Deine Blase liebt dich und sie will dir sagen: „Hey, in dir ist etwas, das raus will! Hier stimmt etwas nicht!“. Du aber verdrängst es. Ein Spannungsverhältnis zwischen Festhalten und Loslassen lässt dich fast zerreißen. Ein innerer Druck entsteht. Und diesen Konflikt, der für dieses Spannungsverhältnis ursächlich ist, löst du einfach nicht bewusst.


Warum aber ist das so? Das hat Sigmund Freud, einer der einflussreichsten Denker des 20. Jahrhunderts, herausgefunden. Er war auch der erste von der somatisch orientierten Medizin herkommende Arzt und Wissenschaftler, der mit seinem Konversionsmodell unbewusste Phänomene und Symptome als Folge des Wechselspiels zwischen Seele und Körper beschrieb. Stark vereinfacht beinhaltet es, dass ein intrapsychischer Konflikt ins Körperliche „konvertiert“ – also übersetzt – und dort auch zum Ausdruck gebracht wird. Das Konversionsmodell ist das erste wissenschaftlich begründete und empirisch überprüfbare psychosomatische Modell; seine Gültigkeit ist begrenzt auf jene psychogenen Körperstörungen, bei denen ein unbewusster Trieb-Abwehr-Konflikt nachgewiesen werden kann. Dieser Konflikt wird verdrängt (also unbewusst gemacht), weil er nicht aushaltbar ist. Stattdessen wird er körpersprachlich und in der Regel symbolisierend zum Ausdruck gebracht: So kann z. B. eine psychogene Blindheit symbolisieren, dass irgendetwas Sichtbares nicht gesehen werden darf oder nicht gesehen werden durfte; eine psychogene Lähmung etwa kann zum Ausdruck bringen, dass ein zur Handlung drängender (Trieb-)Im puls dadurch (unbewusst) abgewehrt wird, dass es zur (nicht primär organisch verursachten) Lähmung jenes Körperteiles kommt, das die Handlung hätte ausführen können. Der Konflikt zwischen den beiden eigenen Tendenzen (Sehen wollen und nicht sehen sollen oder dürfen, handeln wollen und nicht handeln sollen oder dürfen) verschwindet aus dem Bewusstsein und an seine Stelle tritt das Körpersymptom.


Dein Körper symbolisiert auf diese Weise deine Konflikte, die du verdrängst, weil eine Auseinandersetzung mit ihnen zu schmerzhaft wäre. Das allerdings passiert automatisch und läuft unbewusst ab, weil es ein Schutzmechanismus ist! Gott sei Dank zeigt dir dein Körper aber an, dass es Dinge gibt, die du verdrängst, weil er will, dass du eine Lösung findest und glücklich wirst! Einfach großartig dein Körper! Jetzt erfährst du endlich, was da raus will.


In der Fachliteratur, hier von Herrn Prof. Dr. Diederichs, werden drei Ursachen für die Reizblasensymptomatik angegeben: „1. Die Reizblasensymptomatik kann als Korrelat einer versteckten Sexual- oder Hingabestörung verstanden werden. Durch eine sorgfältige Sexualanamnese und genaue Beobachtung des zeitlichen Zusammenhangs beim Auftreten der urologischen Symptomatik lässt sich dieser pathogene Mechanismus aufzeigen.


2. Hier ist die Reizblase das Signal für eine Angstkrankheit, meist eine Platz- und Straßenangst. Diese Frauen berichten, dass sie ihre Wohnung nur noch in der Richtung verlassen können, in der sie eine Toilette finden. Ihr charakteristischer Ausspruch lautet: „Ich kenne alle Toiletten dieser Stadt.“


3. Bei der nach meiner Beobachtung zahlenmäßig größten Gruppe von Frauen wird in dem urologischen Leitsymptom Reizblase die durch eine narzisstische Kränkung (insbesondere im Beziehungsbereich) entstandene Enttäuschungswut abgewehrt. Sie wird aber nicht so tief verdrängt und somatisiert wie bei Frauen mit funktioneller Harninkontinenz.“


Der Vollständigkeit halber möchte ich hier noch die psychosomatischen Hintergründe der chronischen Blasenentzündung aufzeigen. Bei ihr handelt es sich laut Herrn Prof. Dr. Diederichs um einen unbewussten zentralen Beziehungskonflikt: „Hingabeangst oder Nähe-Distanz Problem: Den zentralen unbewussten Beziehungskonflikt dieser Frauen könnte man folgendermaßen beschreiben: Ein schwankendes Selbstgefühl weckt regressive Wünsche und Sehnsüchte nach Verschmelzung mit einem stützenden Selbstobjekt, die aber aus Angst vor der Selbstaufgabe wieder abgewehrt werden müssen. Hingabe ist also mit der Angst vor Selbstverlust verbunden. Die chronische Blasenentzündung symbolisiert weniger ein sexuelles Problem, als vielmehr Konflikte im Partnerbereich. (…) Der Abwehrmechanismus der Blasenschleimhaut bzw. der Vaginalschleimhaut kann unserer Meinung nach offenbar durch eine Beziehungsproblematik verändert werden.“


Du wunderst dich vielleicht, warum in den Artikeln nur von Frauen die Rede ist? Einerseits leiden typischerweise Frauen, vor allem junge Frauen unter diesen Symptomen, andererseits erschienen diese Fachartikel in gynäkologischen Magazinen. Selbstverständlich gibt es auch Männer, die unter einer Reizblase leiden (analog zum Begriff Prostatodynie).


Schließlich möchte ich den genannten Ursachen noch eine weitere hinzufügen: die Reizblase als Resultat eines einmaligen Überlauferlebnisses. Was ich damit meine, ist Folgendes: Es gab eine Situation, in der du nicht auf die Toilette gehen konntest. Deshalb passierte, was passieren musste: Die Blase entleerte sich selbstständig. Das ist ein Schutzmechanismus! Sie läuft einfach über. Was sollte sie auch sonst tun? Das Problem ist nun, dass dich dieses einmalige Erlebnis so schockiert hat, dass du die Angst entwickelst, es könnte noch einmal passieren. Dein Gehirn hat gelernt: „Das will ich nicht noch einmal erleben!“ Deshalb schickt es dir nun, vor allem in Situationen, in denen es besonders peinlich wäre, einzupullern, das Signal: „Geh noch einmal zur Toilette!“ Auch hier kann ich dir sagen, dass dein Körper hervorragende Arbeit geleistet hat! Du weißt jetzt, wie viel deine Blase eigentlich aushalten kann! Sie ist großartig! Sie hat dich geschützt, weil sie übergelaufen ist! Diese Angst kann sogar ausgelöst werden, wenn du nur dachtest, es könnte jeden Moment geschehen. Das heißt, obwohl es gar nicht dazu kam, du aber in deinem Kopf die Möglichkeit und Peinlichkeit durchgespielt hast, hat sich diese Angst manifestiert.


Dennoch bin ich davon überzeugt, dass man diese vier verschiedenen Ursachen nicht haarscharf voneinander trennen kann. Meist ist es ein Konglomerat aus verschiedenen Gründen. Hinzu kommen noch konditionierte, sprich antrainierte, falsche Verhaltensweisen, die die Symptome verstärken. So kann ein Teufelskreis entstehen!


Alle genannten Ursachen hatte ich mitgenommen. Bei mir war es so: Alles war neu. Vom Studium zurück in die Heimat. Neue Wohnung. Von der Studentin zur Selbstständigen. Vom Lernen zum Arbeiten. Freundeskreis weg. Eine unglückliche Partnerschaft begann, aus der ich mich nicht löste, entgegen meiner inneren Stimme. Narzisstische Kränkung, Grenzüberschreitung. Meinen eigenen Selbstwert untergraben. Meine eigenen Werte übergangen. Auch Sex gehabt, ohne es zu wollen. Perfekt sein, das war mein Wunsch. Ein einmaliges Überlauferlebnis hatte ich auch noch. Stundenlang in der Bar, sehr viel getrunken (keinen Alkohol!), danach noch im Auto geknutscht und mir gedacht: „Das schaffst du noch bis nach Hause.“ Noch nie in meinem ganzen Leben vorher, hatte ich es so lange hinausgezögert. Zu Hause angekommen, steckte ich den Schlüssel ins Schlüsselloch. Dann lief es. Ich hatte also alle Gründe, die es überhaupt geben kann! Es musste alles so passieren, wie es pas siert ist.


Doch so verschieden die vier Ursachen auch klingen mögen, sie haben alle einen gemeinsamen Nenner …

Welcher das ist, und wie wir die Ursachen der Reizblase nun endlich lösen, das erfährst du in meinem Buch...

Sonst sprenge ich hier noch das Internet :)

Hol dir jetzt mein Buch und lies gerne weiter...


Ehrlich? Es ist spannender als ein Krimi!


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